Nachholbedarf: Unternehmen sind ungenügend auf Risiken vorbereitet

Jun 15, 2022

  • 79% der Studienteilnehmenden können im Risikomanagement mit den rasanten digitalen Entwicklungen kaum Schritt halten
  • Über alle Branchen hinweg wird die aktuelle Marktentwicklung als größtes Risiko angesehen (vor digitalen und geopolitischen Gefahren) 
  • 65% der Teilnehmenden erhöhen ihr Budget für Risikomanagement-Technologie
  • Ein adäquates Maß an Risikobereitschaft kann die Gewinnchancen um das Doppelte steigern

Wien, 15. Juni 2022  Pandemie, Sanktionen, Störungen in den Lieferketten: Die aktuellen Ereignisse verändern die weltweite Wirtschaft und somit auch das Risikoumfeld der Unternehmen. Damit im Fall der Fälle proaktiv, schnell und flexibel reagiert werden kann, muss das Risikomanagement hoch priorisiert werden. Dies zeigt die neue Global Risk Survey 2022 von PwC Österreich, bei der weltweit über 3.000 Führungskräfte im Bereich Risk, Wirtschaftsprüfung und Compliance befragt wurden. 

Fehlende strategische Konsistenz kostet wertvolle Zeit
Doch es gestaltet sich schwierig, mit den schnellen Entwicklungen Schritt zu halten. 79% der Befragten empfinden es als große Herausforderung, insbesondere dem Tempo der digitalen Veränderungen nachzukommen. Mehr als zwei Drittel der teilnehmenden Führungskräfte sind dabei, ihre Budgets für Risikomanagement-Technologie zu erhöhen – vorwiegend in den Bereichen Data Analytics, Prozessautomatisation sowie Risiko-Überwachung und -Erkennung. Eine weitere Problematik ist die fehlende Konsistenz: 75% der Teilnehmenden geben an, dass ihr Risikomanagement nicht unternehmensweit einheitlich ist. Die verschiedenen Prozesse und Systeme verlangsamen die Reaktion weiter und stellen selbst ein erhebliches Risiko dar. 

Am meisten Sorge bereitet den Teilnehmenden über alle Branchen hinweg gesehen die aktuelle Marktentwicklung. Doch die Bedenken unterscheiden sich auch je nach Bereich. Für den öffentlichen Sektor, Tech-Unternehmen und das Gesundheitswesen stellen beispielsweise digitale Risiken wie Cyberkriminalität oder Falschinformationen die größten Gefahren dar. Die Energiebranche sorgt sich primär um die geopolitische Lage, der Finanzsektor ebenfalls um die Marktlage und die industrielle Fertigung um das strategische und operative Geschäftsmodell. 

Mit Key Risk Indicators neu entstehende Risiken frühzeitig erkennen
Im Zentrum des proaktiven Risikomanagements steht eine fundierte Vorbereitung inklusive Risikoanalyse und Modelle. Doch weniger als 40% der Teilnehmenden nutzen die Vorteile, die sich durch die frühe Einbindung von Risikospezialist:innen ergeben. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass die Messung von Risiko-Parameter vorteilhaft ist. „Analog der Nutzung von KPIs – Key Perfomance Indicators – können KRIs – Key Risk Indicators – helfen, Chancen und Risiken frühzeitig zu entdecken. Für Ransomware-Risiken wäre zum Beispiel die Anzahl der empfangenen Phishing-E-Mails ein KRI“, erklärt Christoph Obermair, Partner bei PwC Österreich. 

Auch ein adäquates Maß an Risikobereitschaft kann zum Wachstum verhelfen. Die befragten Unternehmen mit dem besten Risikomanagement haben fast doppelt so hohe Chancen, ihr Umsatzwachstum um mindestens 11% zu steigern. Folglich investiert gerade mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmenden in eine strategische Neuausrichtung des Risikomanagements – allerdings können erst 22% daraus Vorteile ziehen. 

„Das Risikomanagement war lange Zeit ein Stiefkind in vielen Unternehmen, doch die Unsicherheiten der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig es ist, relevante operative Steuerungsgrößen im Blick zu haben“, ergänzt PwC-Experte Obermair.

Die komplette Studie in englischer Originalsprache finden Sie unter: https://www.pwc.at/risk-survey

 

Über diese Studie
Die Umfrage Global Risk Survey 2022 von PwC wurde weltweit von 4. Februar 2022 bis 31. März 2022 durchgeführt. Unter den befragten Personen befinden sich Geschäftsführende (49%) sowie Führungspersonen in der Wirtschaftsprüfung (16%), dem Risikomanagement (24%) und in der Compliance (11%). 58% der Teilnehmenden sind Führungskräfte in großen Unternehmen (Umsatz von 1 Milliarde Dollar und mehr); 19 % sind in Unternehmen mit einem Umsatz von 10 Milliarden Dollar oder mehr. Die Befragten sind in einer Reihe von Branchen tätig: Finanzwesen (23%), industrielle Fertigung (22%), Einzelhandel und Verbrauchermärkte (16%), Energie, Versorgung und Ressourcen (15%), Technologie, Medien, Telekommunikation (13%), Gesundheit (9%) und Regierung und öffentliche Dienste (2%). Die Befragten sind in verschiedenen Regionen ansässig: Westeuropa (30%), Nordamerika (29%), Asien-Pazifik (21%), Lateinamerika (12%), Mittel- und Osteuropa (3%), Naher Osten (3%), und Afrika (3%). 

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Isabel Bader

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Corporate Communications, PwC Austria

Lukas Stieger

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